Hier finden sie ein informatives Interview und Expertentipps dazu, wie Sie Heizkosten senken können.
Expertentipps zum Energie sparen

Expertentipps zum Energie sparen

Der Physiker Joachim Zeller von ebök, einem Ingenieurbüro in Tübingen (Deutschland), arbeitet seit über 20 Jahren an Strategien zur Energieeinsparung. Er zeigt, wie kleine Maßnahmen Ihre Energieeffizienz steigern und Ihre Energiekosten senken können.



Rechtzeitig zum Winter Energiekosten senken

Expertentipps dazu, wie Sie Energie sparen können
Expertentipps dazu, wie Sie Energie sparen können

Nirgends macht sich der Alles-wird-teurer-Trend so massiv bemerkbar wie an den zunehmenden Energiekosten für Heizung und Warmwasser. Um fast zehn Prozent kletterten die Ausgaben für Strom, Gas, Heizöl und andere Brennstoffe im vergangenen Jahr. Diplom-Physiker Joachim Zeller vom Tübinger Ingenieurbüro ebök beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Energiesparstrategien u. a. in privaten Haushalten. Der Energieexperte verrät, wo die schlimmsten Energieräuber stecken und wie Verbraucher auch mit kleinen Maßnahmen ihre Energiekosten senken können.

Fast die Hälfte der Energiekosten in Privathaushalten wird für das Heizen ausgegeben. Wo lauern die Energieräuber?

Joachim Zeller: Es gibt nicht den einen Energieräuber, den man beseitigen kann und dann ist die Energieeffizienz optimal. Bei älteren unsanierten Gebäuden lauern fast überall im Haus Schwachstellen. So treten zum Beispiel an allen Außenbauteilen, also an den Außenwänden, am Dach, der Kellerdecke und den Fenstern, hohe Wärmeverluste auf.

Auf die Fenster kann sogar bis zu ein Viertel des Energieverbrauchs entfallen. Woran liegt das?

Joachim Zeller: Ältere Fenster, insbesondere solche mit Einfachverglasung, haben eine schlechte Wärmedämmwirkung. Undichte Fugen an den Fenstern sind weitere Schwachstellen, die zu Lüftungswärmeverlusten und damit zu erhöhten Energiekosten führen.

Was kann man tun, damit das Geld für Heizkosten nicht buchstäblich aus dem Fenster geworfen wird?

Joachim Zeller: Prinzipiell ist es sinnvoll, das Haus energetisch zu sanieren. Einer geplanten Sanierung sollte aber unbedingt eine Ist-Analyse durch einen qualifizierten Energieberater vorausgehen. Sie allein stellt die Grundlage für ein fundiertes Sanierungskonzept dar, das sich längerfristig rechnet.

 

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Nicht jeder kann eine energetische Sanierung gleich umsetzen. Wie effektiv sind Zwischenlösungen wie die Abdichtung von Fensterfugen mit Dichtstreifen?

Dichten Sie Fugen ab, um kalte Zugluft im Winter zu eliminieren
Dichten Sie Fugen ab, um kalte Zugluft im Winter zu eliminieren

Joachim Zeller: Eine Untersuchung zur Luftdurchlässigkeit der tesamoll® Dichtstreifen bescheinigt dem Sortiment eine sehr gute Abdichtungsleistung. Auf dieser Grundlage haben wir die Energiespareffekte ausgerechnet, die mit der Abdichtung von Fensterfugen unterschiedlicher Spaltbreiten erzielt werden können. Unsere Modellrechnungen erfassten Mehr- und Einfamilienhäuser der 1960er und 1970er Jahre.

Zu welchem Ergebnis sind Sie gekommen?

Joachim Zeller: In allen Rechenmodellen ab 2 mm Spaltbreite lohnt sich der Einsatz von tesamoll® Dichtungsbändern schon nach einem Winter. Bereits dann liegen die gesparten Heizkosten über dem Anschaffungspreis. Bei einem Haus mit vielen undichten Fenstern mit großen Spaltbreiten können bis zu 20 Prozent der Heizkosten durch die Dichtstreifen eingespart werden. Dazu ein Beispiel: Bei 3 mm breiten Fugen spart man pro Rolle in vier Jahren rund 150 Euro Heizkosten. Bei größeren Spaltbreiten kann entsprechend auch mehr Geld gespart werden.

Nur eine Lösung für Mieter oder auch für Haus- und Wohnungseigentümer?

Joachim Zeller: Langfristig setzen Eigentümer – auch mit Blick auf den Energieausweis ab Mitte 2008 – auf eine Sanierung ihrer Gebäude. Besitzern von Eigentumswohnungen, die nicht selbst über einen Austausch von Fenstern entscheiden können, oder auch Eigenheimbesitzern, die noch nicht sanieren können oder wollen, ist ebenfalls zu empfehlen, vor Wintereinbruch die Fensterfugen mit Dichtstreifen abzudichten und so den Wärmeverlust zu verringern.

Nicht nur beim unfreiwilligen Lüften durch Fugen, auch beim beabsichtigten Lüften kann man Fehler machen?

Joachim Zeller: Unter gesundheitlichen und energetischen Aspekten ist angepasstes Lüften wünschenswert. Das heißt, Häufigkeit und Intensität des Lüftens richten sich im Wesentlichen nach der Außentemperatur und Luftfeuchtigkeit im Raum. Als Faustregel gilt für die Monate November bis März ein 4- bis 6-minütiges Stoßlüften, wenn möglich, alle 2 Stunden. In den Sommermonaten muss die Lüftungsintensität mit einer halben Stunde je Stoßlüftung deutlich höher sein.

Man kann nicht nur zu viel, sondern auch zu wenig lüften. Was passiert dann?

Joachim Zeller: Wer zu wenig lüftet, riskiert nicht nur dicke Luft, sondern auch eine erhöhte Luftfeuchtigkeit, die zu Schimmelbildung führen kann. Wenn Dichtstreifen eingesetzt werden, sollte übrigens auch mehr gelüftet werden. Doch maßvolles Lüften ist im Gegensatz zur Fugenlüftung keine Energieverschwendung.

Warum das?

Joachim Zeller: Die Fugenlüftung wird allein vom Wetter gesteuert. Je windiger es ist und je kälter es draußen wird, desto mehr Luft strömt durch die Fugen. Die notwendige Entfeuchtung der Räume tritt sehr schnell ein, doch die Fugenlüftung hält weiter an. Aus energetischen Gründen sollte es aber genau umgekehrt sein: je höher die Außentemperatur, desto intensiver muss gelüftet werden. Häufigkeit und Intensität des Lüftens sollte man also am Besten selbst in der Hand haben.

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