29.11.2007
Fliegender Wechsel im Papierwerk
Die Einführung der tesa EasySplice® Technologie bei Stora Enso Kabel hat den Produktionsprozess schneller, sicherer und reibungsloser gemacht. Möglich wurde das durch ein ausgereiftes Produkt und die enge Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen.

Ein Papiermacher trägt das Klebeband auf den zu verklebenden Tambour quer und leicht diagonal auf.
Man stelle sich vor, zwei auf 30 Zentimeter breite Rollen aufgewickelte, hauchdünne Papierbahnen nahtlos zu verbinden – mit einem einzigen Klebestreifen, millimetergenau und ohne Faltenbildung. Schon das ist eine Herausforderung. Aber eine Verklebung zweier Bahnen auf Rollen, die 7,40 Meter Breite sowie einen Durchmesser von zwei Metern aufweisen und sich zusätzlich mit einer Geschwindigkeit von mindestens 100 Stundenkilometern um die eigene Achse drehen – das kann sich der Laie kaum ausmalen. Ulrich Böttcher schon.
Der studierte Verfahrensingenieur arbeitet seit mehr als 16 Jahren bei tesa, in den vergangenen sechs als Special Account Manager. Gemeinsam mit zwei anderen Kollegen betreut er die tesa Kunden der Papierindustrie in ganz Deutschland – an die Dimensionen und die Herausforderungen der Branche hat er sich schon lange gewöhnt. Und dennoch: Als es vor sechs Jahren darum ging, im Werk Kabel den so genannten „fliegenden Rollenwechsel“ mit der neuen EasySplice® FastLine Technologie von tesa zu etablieren, war das auch für ihn eine spannende Angelegenheit.
Ziel war es, das Verfahren zu optimieren, bei dem die auf Rollen (im Fachjargon: Tamboure) aufgewickelten Papierbahnen endlos verklebt werden, damit es im laufenden Produktionsprozess keine Unterbrechungen gibt. Bisher wurden die Papierbahnen in aufwändigen Verklebungsgeometrien verbunden. „Da standen wir vor der Maschine, haben den Ablauf beobachtet und regelrecht gefiebert, dass alles reibungslos läuft“, erinnert sich Böttcher.

etwa 1.600 Meter in der Minute beträgt die Laufgeschwindigkeit einer Streichmaschine
Von der Herausforderung zur Routine
Heute ist der fliegende Rollenwechsel zur täglichen Routine geworden, welche die Mitarbeiter im Werk problemlos bewältigen. Ein Papiermacher trägt das Klebeband auf den zu verklebenden Tambour quer und leicht diagonal auf. Das dauert etwa fünf Minuten – im Gegensatz zur bisherigen Verklebung, die fast eine Viertelstunde beanspruchte. Danach folgt der maschinelle Transport des neuen Tambours zum ablaufenden Tambour. Ist dieser fast vollständig abgewickelt, entfernt der Mitarbeiter das restliche Trennpapier vom Klebeband.
Sobald der neue Tambour auf die Laufgeschwindigkeit der Streichmaschine (etwa 1.600 Meter in der Minute) synchronisiert ist, folgt in einem Sekundenbruchteil der Andruck der Klebewalze auf die ablaufende Bahn. Die Klebestelle verbindet die neue mit der ablaufenden Papierbahn, ein Abschlagmesser trennt sie schließlich ab. Jeden Monat werden auf diese Weise an einer von drei Produktionslinien im Werk etwa 600 bis 700 Mal Papierbahnen miteinander verbunden, für eine Tagesproduktion von mehr als 500 Tonnen. Und trotzdem bleibt jeder Bahnenwechsel ein kritischer Moment in der Papierproduktion. Deshalb ist es Ziel der Techniker, den Tambourwechsel möglichst problemlos zu gestalten.
„Mit der neuen Technologie konnten wir unsere Splice-Quote, das heißt die Anzahl der störungsfrei gelungenen Verklebungen, von 96,5 Prozent auf fast 99 Prozent noch verbessern“, erklärt der Tagschichtwerkführer Hans-Jürgen Schubert. 2,5 Prozent, die für den Papiertechniker eine große Bedeutung haben. Denn jedem Abriss folgt ein Stillstand der Maschine – und das kostet Zeit und damit Geld. „Unsere Leistung wird auch an den Quoten gemessen“, so Schubert.